Verletzt sein vs. Stasiakten

Ab und zu habe ich den Satz schon gehört: “Schau nicht in deine Stasiakten, dass willst du nicht wissen“. Ich habe mich auch viele Jahre darangehalten, schlafende Hunde soll man nicht wecken. Bis zu dem Tag an dem ich geweckt wurde.

Viel Zeit verbrachte ich in einer Jungen Gemeinde in Berlin Köpenick. Rückblickend eine gute Zeit mit einigen Momenten die dunkel sind. Aber fast alles, was Soziales betrifft, Gewaltfreiheit usw. bekam ich dort vermittelt. Die Freundschaften waren ehrlich und tief. Zu tief? Eine sehr wichtige eine sehr intensive Zeit.

Auf einer Internetseite fanden sich durch Zufall ein Freund von damals und ich. Erst war er völlig begeistert und wollte unbedingt ein Wiedersehen, dann zog er sich wieder zurück. Auf meine Frage warum, antwortete er das er nicht weiß, ob es gut wäre, da ja einige (meistens meine engsten Freunde) der Meinung sind das ich (ich) für die Staatssicherheit tätig war.

Etwas geschockt schrieb auch ich nicht mehr. War verletzt, ich habe die Freunde seit gut 30 Jahren nicht mehr gesehen und seit gut 30 Jahren leben sie mit dem Gedanken das ich für die Stasi tätig war und sie wohlmöglich angeschissen habe? Ein ekliges Gefühl und so falsch.

Was sich nicht leugnen lässt, dass ich innerhalb des Staatsapparates jemand gehabt haben musste der mich „beschützt“, aber ich suche seit langem und habe nicht gefunden wer es gewesen sein könnte. Aber nun wird es wichtig.

Eigentlich will ich nicht Wissen, doch ich will das andere Wissen.

Ich werde sie beantragen und euch berichten…

(Feier mit der Jungen Gemeinde ca. 1984)

Illusion Zeit

„Ja na klar, lass uns die Tage nochmal telefonieren und dann schauen wir wann wir Zeit finden uns zu sehen“

Sicher dauert es ein bisschen Zeit, bis die Trauer weicht. Zeit die man nicht hat. Zeit kommt und geht, schenkt und nimmt. Zeit ist liebevoll zerstörend und brutal liebevoll.

Ich glaube Zeit und Tod sind die 2 Dinge, über die wir versuchen am wenigsten nachzudenken. Damit meine ich nicht Zeit zu planen, sondern Zeit zu leben, Zeit zu sterben.

Gedankenspiralen über die Zeit: Kommst du heute nicht kommst du Morgen. Und was, wenn die Zeit heute zu Ende geht?

Plötzlich erkennt man das man Menschen zu wenig Beachtung geschenkt hat und anderen viel zu viel.

Man kann die Zeit nicht zurückdrehen, vorspulen bedingt.

Zeit spiegelt sich in den Erinnerungen. Also stehe auf, gehe zu den Menschen, die du magst, sammle mit ihnen Erinnerungen, ein lächeln ein nettes Wort oder finde die Zeit für dich auf verschneiten Wegen.

Ruhe – zu früh – in Erinnerung – in Frieden

Ich starre auf diesen Bildschirm, diese Seite, in der man Nachrichten eingibt. Oben links dein Profilbild, dein Name. Tippe einen Buchstaben und er erscheint, so wie ich es gewohnt bin, so wie ich es kenne. Ich lösche den Buchstaben wieder, drücke nicht auf Senden. Der Klos im Hals, ein Blick aus dem Fenster. Du hast immer schnell geantwortet. Solange bis es dir immer schwerer fiel.

Heute habe ich erfahren du wirst nie wieder antworten.

Damals in den 80igern, in Ostberlin haben wir gesagt, alt werden ist nichts für uns und so haben wir gelebt. Im „Rumba“: „Herbst in Peking“ „die anderen“ und vieles mehr gehört, selbst versucht Musik zu machen. Immer an der Grenze, meist darüber hinweggefegt. Gelebt ohne Verstand und dadurch das Leben verstanden. Zwischen Genie und Wahnsinn auf einem dünnen Balken balanciert. Dann hast du dich gefunden, ich mich verloren. Ich glaube nicht das ich heute der wäre der ich bin, wenn deine Tür nicht offen gewesen wäre, wo andere ihre verriegelt hatten.

Wir haben überlebt, wurden ruhiger, aber nie wirklich ruhig. Die Wege trennten sich, liefen nebenher, man wusste was der andere machte, oft auch dachte.

Ich starre auf diesen Bildschirm, diese Seite, in der man Nachrichten eingibt. Oben links dein Profilbild, dein Name. Tippe einen Buchstaben und er erscheint, so wie ich es gewohnt bin, so wie ich es kenne. Ich lösche den Buchstaben wieder, drücke nicht auf Senden. Den Kontakt löschen? Auf keinen Fall. Nicht vergessen wollen, können. Erst wenn man vergessen ist, ist man wirklich Tod.

Ich werde dich nicht vergessen. Ruhe in Frieden Rene S.

Machs gut alter Freund, seit fast 40 Jahren der erste Weg den wir nicht zusammen gehen können.

(es ist in den letzten Tagen nicht der einzige „alte“ Freund, der zu früh stirbt. Ruhe in Frieden Olaf)

10 Leben – ein Bild

Es gibt diese Sendung „Ein Leben in 10 Bildern“. Ein berühmter Mensch erhält dort anhand von 10 Bildern eine kleine Biographie. Auf meinem Bild sind 10 Leben. Es ist eines dieser Bilder die ich immer wieder hervorhole. Ein kleiner Schatz der Vorfahren. Und ihre Leben? Ich möchte mit Elisabeth beginnen, rechts unten. Warum mit ihr? Sie ist unbekannt man weiß nicht mehr als ihren Namen. Mich würde interessieren warum. Links daneben mein Uropa, Paul geb. 1869. Er war Bäckermeister und Straßenbahnfahrer.1942 ist er gestorben. Uroma Maria, Sie starb 1936 in Cottbus und wurde 66 Jahre. Ich hab einige Bilder von ihr, auf keinem lächelt sie, auf diesem ein wenig. Daneben Georg, ich weiß nicht wann er geboren wurde, wann gestorben, aber ich weiß er war Flugzeugmechaniker und mit Anna verheiratet. Hinter ihm der Sonnenschein der Familie: Hildegard, auch genannt die wilde Hilde oder die rote Hilde (wegen den Haaren?) war wohl immer gut gelaunt und keine Party ohne sie. 1908 wurde sie geboren und starb 1985 in Cottbus wo sie ihr ganzes Leben lang gelebt hat und passend eine uneheliche Tochter Eva Maria. Daneben Fritz, gefallen im 2. WK. Er hatte eine Frau und einen Sohn. Neben Fritz steht Otto, er ist 1899 geboren, hat 1929 Martha geheiratet. Sie hatten eine Tochter. Otto starb 1988 in Berlin. In Westberlin. Dann Helmut, er wurde nur 35, hatte Frau und Kind. Starb 1942, wahrscheinlich gefallen. Daneben Kurt, mein Opa. Nie kennengelernt da er schon 1956 verstarb, sehr krank. Gerade mal 58, oh genau wie ich heute. Er war Sattler von Beruf. 1938 hat er in Berlin Adlershof meine Oma Marie Agnes geheiratet. Zusammen hatten sie 2 Söhne. Einer war mein Vater. Und dann ist da noch Arnold, der Lieblingsonkel meines Vaters. Er war Drucker und Buchbinder, seine Frau hieß Charlotte, Lotte genannt. Er starb 1985 in Königs Wusterhausen.

Für den einen oder anderen mag es langweilig sein, für mich Geschichte, ein kleines Stück Weltgeschichte und vor allem meine Geschichte.

 

Mädchen aus Staßfurt

Verfangen in der Ahnenforschung durchstöbre ich die Bilder der Vergangenheit. Eines fällt heraus. Ich habe den Eindruck es fällt langsam, fällt auf die Vorderseite, auf der Rückseite lese ich 1982. Ich beuge mich runter, hebe es auf, drehe es um. Deinen Namen weiß ich nicht mehr, du warst 14 und ich 15.

Wir waren im Urlaub und unsere Eltern lernten sich kennen und verbrachten viel Zeit miteinander. Dadurch wir auch. Ich erinnre mich wie deine Haare rochen, wenn ich neben dir lief. Seltsam, ja ich schwärmte für dich. Wir waren viel zusammen, ohne zusammen zu sein. Nach dem Urlaub schrieben uns und irgendwann gestand ich dir das ich dich mag.

2 Jahre später besuchten meine Eltern, deine Eltern in Staßfurt. Es war im Herbst. Ich war mittlerweile 17 und du 16. Wir hatten uns verändert und ich erinnre mich an diese seltsame Stimmung zwischen uns in der Küche in diesem alten Haus in Staßfurt. Wir hatten nichts mehr gemeinsam und du einen Freund.

Heute bist du wahrscheinlich 56 Jahre. Ich kann mir nicht vorstellen das du noch in Staßfurt lebst. Egal wo wünsche ich dir Glück, Mädchen aus Staßfurt.

Und sonst so? III

Etwas Gedankenversunken, Menschen können so verletzen und in mittelalterlichen Dingen feststecken…Eigentlich müsste ich wütend sein, aber ich habe nur Mitleid für ein Häuflein „Nichts“… Aber zurück, es betraf ja auch nicht mich persönlich, aber Blut ist dicker als Wasser, auch wenn es nicht rein ist…Aber nun wirklich zurück, der Platz in der Bahn, auf der mein Schatten saß, bleibt immer öfter leer, war wieder in Berlin, diesen Menschen treffen, der in den letzten Monaten so wichtig geworden ist… Auf dem Dorffest konnte ich kurz ein Engel sein…Ich freue mich auf 3 Konzerte in den nächsten Wochen. Erst gehe ich zu „Die Art“ (ach was freue ich mich), dann geht es zu „MaidaVale“ (ach was freue ich mich) und dann zu „Sind“ (ach was freue ich mich)…Ein Bild geschickt bekommen, da waren Haare und Bart noch „schwarz“, wie lächerlich…Die Jugendlichen haben mir gezeigt, dass sie das Schloss an einem Tor zum Wald auf dem Gelände nicht gut fanden…am anderen Morgen fand ich es am Gitter zum Hauseingang…Und sonst so?…War Veränderung bei mir so oft laut und holperig, so ist sie gerade still und  fast schattenlos…….

Noch nicht getraut

Das ich viele Bilder gefunden, gesichtet, sortiert habe, darüber habe ich ja schon berichtet. In diesen Kisten, die ich durchsuchte, fand sich aber auch so manches andere……wie ein Walkman. Erstmal nichts Besonderes, denke viele haben noch ein alter Walkman irgendwo rumzuliegen. Aber als ich ihn öffnete, sah ich darin eine Kassette, die ich gleich erkannte. Mit Rot stand darauf „EIG“. Es war meine Abkürzung für diese Kassetten auf denen Lieder sind, die ich in den 80igern bis Mitte der 90iger geschrieben habe. (Ab Mitte der 90iger kein einziges mehr…seltsam). Einfach aufgenommen im Zimmer mit einem Mikrofon, teilweise auf Tonband (kennt ihr das noch???) und dann auf Kassette überspielt. Wie sie mir heute gefallen? Weiß ich nicht, ich habe mich noch nicht getraut in meine Vergangenheit hineinzuhören.

Lachen am anderem Ende des Denkens

 

 

Minutenlang schaue ich auf das Bild, bevor ich ein Wort schreiben kann. Seht ihr das Lachen des alten Mannes? Matthes scheint etwas zu erzählen und sein Uropa scheint zu verstehen und lacht, lacht in einer Zeit, in der er selten lachte.

Kurz eine Pause, der Blick wird glasig.

Ich erinnere mich an diesen Tag.

Wir klingelten an der Wohnung in Berlin. Uroma öffnete und mir war wie immer etwas unwohl, das lag aber sicher nicht an der Oma, nicht an dem Besuch an sich. Langsam gingen wir ins Wohnzimmer, Uropa schaute mich an und ich wusste das er nicht weiß, wer ich bin. Wie immer. Er begrüßte mich freundlich und fragte auch wie es mir geht. Es war eine Höflichkeit, um seine Unwissenheit zu überspielen, vielleicht gab es ja diesen kleinen klaren Moment.

„Dich habe ich schon mal gesehen“ sagte er lächelnd, als Matthes hinter mir vorkam. „Dich kenne ich“ sagte er und er nahm Matthes auf den Schoß, alle anderen bereit loszuspringen, falls er Matthes fallen lässt. Aber er tat es nicht. Matthes saß und sie redeten und Opa lachte, lacht in einer Zeit, in der er selten lachte.

Matthes Uropa zu der Zeit schon schwer Demenzkrank. Wollte nachts los, um arbeiten zu gehen, obwohl er schon lange Rentner war, erkannte niemanden mehr oder wenn nur kurz. Aber Matthes war das egal, das war sein Uropa und auch wenn er oft Respekt vor ihm hatte, da er manchmal unberechenbar war. Dieses Lachen ist so schön, soviel wert, zu einer Zeit, in der sein Uropa selten lachte.

(Ruhe in Frieden)

Zeitreise – Monumental

Kurzer Zusatz am 1.7. Diesen Beitrag hatte ich eigentlich schon am 23.6. nur auf dem Blog gepostet.  Allerdings haben sich die CD’s mit ca. 148000 Bildern als wahre Fundgrube für Geschichten gezeigt und so soll dieses die erste sein, bevor ich in den nächsten Tagen euch mitnehmen kann auf eine kleine Gedankenreise zu verschiedenen Bildern.

Meine Frau ist immer irritiert, wenn sie meine Blogeinträge liest. Sie sagt dann, das ist manchmal so als ob man den Menschen neben sich nicht kennt. Ich kann sie beruhigen, geht mir genauso, ich kenn mich ja auch nicht. Also alles gut, es liegt nicht an ihr. Wie habe ich neulich gelesen:“ ich habe mich gefunden. War gar nicht schwer. Ich stand neben mir“ Aus den Boxen erklingen die neuen Alben von „Bleib Modern“ und „Clan of Xymox“. Vielleicht nicht die geeignetste Musik so allgemein gesehen, aber wunderbar für eine Reise.

Bis 2008 habe ich alles auf CD oder DVD gesichert. In einer Kiste fand ich jetzt gut 50 davon. Ich habe mich entschlossen sie durchzusehen und alles, was ich behalten will auf eine Festplatte zu laden. Ich konnte nicht erahnen welche Flut von Erinnerungen und vergessen unvergessenen Bildern auf mich zustürmte.

Man soll ja nicht in der Vergangenheit leben und ich lebe mein JETZT sehr gerne, aber eine kleine Zeitreise war und ist erlaubt. Aus den Boxen klingt jetzt „King Hannah“ und ich bemerke auf meiner Reise wie dunkel, wie hell, wie tief, wie weit oben…wie viel Leben in den Bildern, in mir steckt. Erlebtes Leben das einem keiner nehmen kann. Nun liegt es eigentlich nur an mir dieses viele Leben als etwas positives zu sehen und mitzunehmen auf dem Weg nach vorn.